
Liebe Leser!
Seit einem knappen halben Jahr ist mein zweites ‚Baby’ – Todesrune – auf dem Markt und ich möchte mich an dieser Stelle für die vielen lobenden Worte und Zeilen bedanken.
Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Angst ein Autor vor seinen Lesern hat!!!
Ich schiele ja immer nach den Produkten der Kollegen, die ich allesamt mehr oder weniger genial finde, während ich mich noch immer frage, ob ich selbst eigentlich schon in diese Riege gehöre. Erst wenn die ersten Statements der Leser eintreffen - und diese auch noch wohlwollend sind – dämmert es mir: „Huch, ich hab ja (noch) ein Buch geschrieben!“
Neulich rief mich mein Vater an und erzählte mir geradezu verstört, dass er mein Buch in seinem Supermarkt gesehen habe. Ihm dämmert es nun auch langsam …
Ich erinnere mich noch, vor cirka zehn Jahren, als er mich beiläufig fragte: „Und? Was machst du so?“
Da ich in den letzten nunmehr 20 Jahren immer für wechselnde Zeitschriften und Zeitungen schrieb, war diese Frage berechtigt, wenn sie auch nicht mit brennendem Interesse gestellt wurde. Als ich stolz verkündete, ich sei dabei ein Buch zu schreiben unterdrückte meine Familie nur mit Mühe ein Kichern und bedachte mich mit einem mitleidigen Blick.
Auch wenn mein Vater sicher nicht zu meinen Lesern gehört, so verfolgt er das Treiben um meine schriftstellerischen Ergüsse nun doch mit wachsendem Interesse.
Statistisch gesehen ist der typische Leser in Deutschland weiblich und zwischen 30 und 60 Jahren alt. Verschiedene Kommentare zu meinen Büchern zeigten, dass meine Leserschaft diese Statistik sprengt. Ich bin begeistert!
Nicht nur, dass sich einige meiner Leser zu meiner eigenen Überraschung als sehr jung herausstellten, viele Feed-backs zu meinen buchgewordenen Fantasien kamen zudem von Männern.
Hollywood – so las ich jüngst – beginnt gerade, Filme und Serien speziell für Männer zu drehen, die angeblich einen Schwerpunkt auf Action und „Rumsbums“ sowie ein deutliches Weniger an anstrengenden Dialogen wünschen. Aha.
Wie beruhigend, dass dieser Trend die deutschen Männer noch nicht erreicht hat und sie bereit sind, meinen Protagonisten zu folgen, die neben dem Kampf gegen einen bösen Fiesling auch sehr alltägliche und sehr weibliche Probleme zu bestreiten haben.
Vielen Dank!
Liebe Leser, Ihre Kommentare sind ungeheuer wichtig für mich, natürlich auch und vor allem die kritischen Worte.
So sagten einige weibliche Leser, dass sie das Nazi-Thema etwas abschreckend fanden. Vielen Dank, dass Sie Todesrune trotzdem gelesen haben! Ich hoffe, Sie wurden nicht enttäuscht und es ist mir gelungen, die Nazis nicht allzu politisch beschwert darzustellen. Sie erschienen mir einfach perfekt als böse Gegenspieler einer Harzer Hexe.
Ein Journalist schrieb, Todesrune sei – wegen des Nazithemas – ein „mutiges Buch“.
Vielen Dank für diese bedeutungsschweren Worte! Doch ich denke, das Lob ist zu groß für mein Buch.
Meine Bücher sind romanhafte Krimis. Ich würde mich freuen, Kleinigkeiten – Schönes aber auch Dinge, die falsch laufen – mit meinen Büchern bewusst zu machen. Meine Bücher sollen und werden jedoch nicht die Welt verändern, sie sollen Ihre Freizeit verändern – zum Vergnüglichen!
Viele Stimmen regten an, ich solle meine Heldinnen doch bitte in Serie gehen lassen.
Autoren haben immer schreckliche Angst vor Serien und vor einem befürchteten Qualitätsverlust.
Dass dies nicht immer so sein muss, zeigt die Schreibkunst von Donna Leon. Ich stürze immer wie ein Verdurstender in meinen Lieblings-Buchladen (Buchhandlung Hoffmann in der Bummelallee in Bad Harzburg!), wenn ein neuer Krimi mit Commissario Brunetti herauskommt.
Die Harry-Potter-Saga habe ich natürlich ebenfalls begeistert durchpflügt und finde, dass sich Joanne K. Rowling mit jedem Buch gesteigert hat.
Auch die Serien meiner skandinavischen Kollegen haben mich stets begeistert, doch hier habe ich zuweilen nach dem vierten oder fünften Band die Lust ein wenig verloren. Vielleicht weil der Fokus der nördlichen Kollegen oft mehr auf die Niederungen menschlicher Verhaltensweisen als auf das Privatleben des Hauptprotagonisten gerichtet ist. Zudem war es ja lange Zeit Gang-und-Gäbe, den Helden mit einem möglichst problembehafteten Alltag zusätzlich zu beschweren, was bei den Skandinaviern naturgemäß arg depressiv gerät.
Die große Kunst einer Serie besteht neben der spannenden Grundgeschichte in der möglichst vergnüglichen aber auch zugleich realitätsnahen Weiterentwicklung des Alltags eines Helden, was ich als riesige Herausforderung empfinde.
Die Alltagsdialoge von Guido Brunetti und seiner Frau Paola sind einfach meisterhaft. Leichter ist es für einen Autor mit der Spannung durch eine sich anbahnende Beziehung als Hintergrundgeschichte zu arbeiten. Um so mehr bewundere ich das Geschick von Donna Leon, die mit den Brunettis richtiggehend Lust auf eine Ehe macht.
Sarah Leitner eignet sich nicht zu einer Seriengestaltung, weder von ihrem Profil noch von ihrem Lebensumfeld. Sarah - ich verspreche es Ihnen - hat in Paul Seeger ihre große Liebe gefunden und ihre Tochter Adina in ihm einen hingebungsvollen neuen Vater. Sarah bleibt natürlich in Silberborn und die beiden heiraten, als sich bei Sarah Nachwuchs ankündigt.
Ein Mensch wie Sarah wird keine Probleme suchen, sondern ihnen aus dem Wege gehen, wenn es irgend geht. Sie ist nur deshalb in Hexenquelle zur Heldin geworden, weil sie Adina und auch Paul schützen wollte. In so eine Situation kommt man nicht zweimal im Leben.
Leider ist die Hexenquelle zurzeit versiegt, doch wenn bei meinem Verlag genügend Anfragen eingehen, würde die Hexenquelle in ine weitere Auflage starten. Mich würde es sehr freuen ...
Tilla, das gebe ich zu, ist so eine herrliche Chaotin, die ohne Probleme und glaubhaft in immer wieder neue Schwierigkeiten geraten wird. Allerdings ist sie wohl kaum zu einer dauerhaften Beziehung fähig. Armer Gerred. Andererseits birgt ihr Hunger auf immer neue Beziehungen vielleicht gerade Potential für eine Fortsetzung.
Nachdem sogar meine Verlegerin meinte, Tilla eigne sich für eine Serie, habe ich mal probeweise begonnen, ein paar Szenarien durchzuspielen – mit immer größerem Vergnügen, wie ich zugeben muss.
Sie, liebe Leser werden demnächst erfahren, was dabei herauskommt.
Tun Sie sich jeden Tag einen kleinen Gefallen, den Sie in Ruhe und Muße genießen.
Mit herzlichen Harzer Hexengrüßen
Corina Klengel
