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Ein Schönes Beltane 2016

Ich hoffe, Sie hatten alle einen guten Flug? 

 

... einen ebenso guten Flug wie ich, der ich pünktlich am letzten April

einen nagelneuen Besen mit meinem Namen darauf vor meiner Haustür fand

verschönt mit Rosen ...

Vielen Dank dafür - wer immer der nette Schenker war!

 

 

 

 

 

Allein in Deutschland werden jährlich für etwa 9,5 Mrd. Euro Bücher umgesetzt. Ob Fernsehen, Computer oder Konsolen, all diese vergnüglichen Freizeitbeschäftigungen haben es nicht geschafft, das Buch zu verdrängen.

Warum lesen die Menschen?

Ist es nicht geradezu antiquiert, Buchstabenreihen zu folgen, daraus Worte zu formen, sie mit Sinn zu füllen und sie im Kopf in Bilder umzusetzen – wo es doch so einfach ist, den Fernseher einzuschalten?

Nein, weil die Fernsehgeschichten wie billige Kaufhauskleidung sind, während das, durch ein Buch animierte Kopfkino mit maßgeschneiderter, einzeln angefertigter Kleidung vergleichbar ist.

Wir lieben, leiden und bangen mit den Figuren, über die wir lesen. Und wenn wir die letzte Seite zuschlagen, betrauern wir den Abschied von der liebgewonnen Figur, mit der wir uns über einen längeren Zeitraum täglich getroffen haben (– je nachdem, wie schnell man liest und wie viel Zeit man dafür hat). Autoren geben den Protagonisten einen bestimmten Charakter, halten sich aber zumeist mit der Beschreibung des Äußeren zurück. Es ist der Leser, der seinen Helden im Geiste formt, ihm nach seinem individuellen Geschmack ein Gesicht gibt, – eben eine Maßanfertigung.

Thema eines jeden Buches? Menschen.

 Je nach Literaturgenre: Liebende Menschen, hassende Menschen, leidende Menschen, mordende Menschen und ihr Pendant ermittelnde Menschen … usw. Ob große Literatur oder ein kleiner Krimi, es geht um Menschen, die mit Schwierigkeiten konfrontiert werden. Wir Leser sind die Voyeure, die beobachten, wie Menschen auf extreme Situationen reagieren. Wie belastbar sind sie? Kämpfen sie, oder geben sie auf? Da spielt es eigentlich keine Rolle, ob die belastende Situation durch einen Mord hervorgerufen wird oder durch eine unerwiderte Liebe.

Der große Literat hält sich mit der Konstruktion und Beschreibung der Belastung etwas zurück, betrachtet aber die Reaktionen seiner Protagonisten wie unter dem Mikroskop. Jede Gefühlsregung wird einzeln aufgeführt und mit diversen Wortwendungen beschrieben, die ähnlich wie Wellen auf dem See den, ins Wasser geplumpsten Stein zwar lokalisieren aber nicht zeigen.

Krimiautoren leiden oft unter dem perfiden Wunsch, seinen Leser mit allzu bildhaften Beschreibungen des Mordes und der Verletzungen des Opfers aufzurütteln, bis auch der letzte Emotionsignorant kapiert hat, dass etwas Schreckliches passiert ist. Sodann suhlt er sich noch ein wenig im Entsetzen derer, die die Leiche finden. Aber dann verschieben sich die Reaktionen etwas an den Rand, denn das Geschreibsel eines Krimiautors hat natürlich immer zielführend zu sein.

Sollte meine Lektorin diese Zeilen je lesen, wird sie sich vermutlich fragen, warum die dusselige Klengel bei so viel Einsicht immer noch so ausufernd schreibt und beim obligatorischen Kürzen des Romans auch noch wortreich und überemotional um jedes einzelne Wort kämpft …

Nun ja - auch wenn meine Lektorin nun den Scheiterhaufen für mich aufzutürmen beginnt, nach meiner Beobachtung fließen die Genres immer mehr ineinander. Zugegeben, es ist unwahrscheinlich, dass ein Regionalkrimiautor je für einen Literaturnobelpreis in Betracht gezogen wird, so weit geht die Vermischung nicht. Und doch hat sich der Krimi enorm weiterentwickelt. Eine Elizabeth George oder eine Tana French schreiben nicht einfach nur Krimis, ihre Geschichten, in die geradezu zufällig ein oder mehrere Morde verwoben sind, zählen zur Gattung der Literarischen Kriminalromane. Sie sind hoch künstlerische und zum Teil recht anspruchsvolle Wortkompositionen, die näher bei „richtiger Literatur“ liegen, als beim einfachen Who-done-it aus der Anfangszeit des Kriminalromans. Diverse Geschehensstränge laufen nicht eben linear auf das Ende einer komplizierten Handlung zu, subtile Spannungsbögen trotz opulenter Beschreibungen des Nebensächlichen und hochdifferenzierte Psychogramme, die bis in die Reihen der Nebenfiguren reichen, zeichnen diese Krimis aus.

Der moderne Krimi hat es aufgegeben, in jedem Satz nur zielführend zu sein. Es geht schon lange nicht mehr nur um die Aufklärung einer Greultat, es geht um das, was sie auslöst, die Kreise um den, ins Wasser geplumpsten Stein herum. Es geht um das, was der Fernsehkrimi eben nicht in 45 oder 90 Minuten erzählen kann.

 

 

   

 Mit herzlichen Harzer Hexengrüßen

Corina Klengel

 

 

   

 

 

 

 

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